Die biblischen Besinnungstage unter der Leitung von Pater Jürgen Heite und Pater Siegfried Modenbach waren sehr intensiv. Es kam zu guten Gesprächen und einem lebendigem Austausch in der Gruppe. Die Tage waren angefüllt mir viel Gesang, mit guten Begegnungen, mit herzhaftem Lachen, mit gemeinsamem Gebet und der Feier der Eucharistie.
Am Ende der Tage hat P. Siegfried Modenbach mit seinem letzten Impuls, den wir hier gerne veröffentlichen, die Tage gut zusammengefasst:
Menschen, Typen und ihre Geschichten
Wenn wir uns umschauen – in unseren Familien, in unseren Freundeskreisen, in den Kirchengemeinden oder dort, wo wir leben und arbeiten – merken wir schnell: Menschen sind unterschiedlich.
Da gibt es die Lauten und die Stillen.
Die Mutigen und die Vorsichtigen.
Diejenigen, die große Pläne machen – und diejenigen, die spontan reagieren.
Jeder Mensch ist ein eigener „Typ“.
Und jeder Mensch trägt auch seine eigene Geschichte mit sich.
Wenn wir Menschen begegnen, dann sehen wir oft nur die Oberfläche, das Äußere:
ihr Verhalten, ihren Charakter, vielleicht auch die Schwächen, die uns meist zuerst auffallen.
Aber Gott sieht mehr. Gott sieht das Herz, so heißt es (vgl. 1 Sam 16,7).
Er sieht die ganze Geschichte hinter dem Menschen.
Und die Bibel ist voll von solchen Geschichten.
Gott arbeitet mit unterschiedlichen Typen
Die Bibel – das haben wir, glaube ich, gesehen in diesen Tagen, zeigt uns nicht nur perfekte Menschen. Sie zeigt uns echte Menschen – mit ihren Stärken, mit ihren Fehlern, mit Zweifeln und mit ihrer Entwicklung. Menschen können sich ändern …
Schauen wir uns jetzt einfach nochmal zwei weitere Beispiele an.
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Maria – der hörende Typ
Zuerst möchte ich – vielleicht liegt das auch an diesem Wallfahrtsort Kohlhagen – mit Euch auf Maria schauen – denn sie ist nochmal ein ganz anderer Typ.
Sie ist nicht laut.
Sie steht nicht im Mittelpunkt irgendwelcher Diskussionen.
Und als der Engel ihr sagt, dass sie Jesus zur Welt bringen wird, da antwortet sie: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. An mir soll geschehen, wie du es gesagt hast.“
In vielen Situationen lesen wir von ihr:
„Maria bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“
Sie ist eine hörende, eine nachdenkliche, eine reflektierte Person.
Kein spektakulärer Typ.
Und doch spielt sie eine entscheidende Rolle in der Geschichte Gottes mit uns Menschen.
Mein Gedanke dazu:
Nicht unbedingt die Lauten, die Großen, die Mächtigen verändern die Welt, sondern die Stillen, diejenigen, die hören, die vertrauen und die treu zu ihrem Wort stehen.
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Paulus – ein Typ, der sich radikal ändert. Mich erinnert das an das etwas abgewandelte Wort von Dorothee Sölle: „Jeder hat das Recht, ein anderer zu werden.“
Paulus war als Saulus zunächst ein Gegner der Christen, er hat sie verfolgt und in den Tod geschickt.
Er ließ Menschen ins Gefängnis werfen und war einverstanden mit der Steinigung des Stephanus.
Dann geschieht etwas Entscheidendes:
Auf dem Weg nach Damaskus begegnet er Jesus.
Und diese Begegnung verändert sein ganzes Leben.
Aus dem Christenverfolger wird einer der größten Apostel und Missionare der frühen Kirche.
Er reist durch das Römische Reich, er gründet viele Gemeinden und schreibt Briefe, die heute wichtiger Bestandteil der Heiligen Schrift sind.
Mein Gedanke dazu:
Keine Lebensgeschichte ist für Gott festgefahren oder unumkehrbar. Er kann Menschen komplett in eine neue Richtung lenken und mit ihnen neue Wege gehen.
Was bedeutet das für uns?
Wenn wir die Geschichten anschauen, mit denen wir uns in diesen Tagen beschäftigt haben: Nikodemus, Samuel, Jakob, Maria Magdalena, Petrus, Elisabeth von Thüringen, Dorothee Sölle – dann fallen uns drei Dinge auf:
1. Gott liebt die Vielfalt
In der Bibel und in der Kirchengeschichte gibt es:
- impulsive Persönlichkeiten wie Petrus
- radikale Nachfolgerinnen wie Elisabeth
- stille Menschen wie Maria
- leidenschaftliche Denker wie Paulus
Gott sucht sich nicht nur einen Typ Mensch aus.
Er beruft unterschiedlichen Persönlichkeiten.
2. Jede Geschichte ist wichtig
Manchmal denken wir:
- Meine eigene Geschichte – die ist wahrscheinlich viel zu gewöhnlich.
- Oder sie ist zu kompliziert.
- Oder einfach uninteressant. Was habe ich schon vorzuweisen?
Aber Gott denkt eben in Geschichten und nicht in Lebensläufen.
Und jede Geschichte kann Teil seiner größeren Geschichte werden.
Der 3. und letzte Punkt: Gott ist immer noch nicht am Ende mit den Menschen, mit den Typen und ihren Geschichten
Die Menschen in der Bibel – sie sind nicht immer perfekt gestartet. Das gilt auch für die nachbiblischen, die christlichen Gestalten, die Frauen und Männer der Kirchengeschichte, die uns beeindrucken.
Maria war ein bescheidenes, einfaches Mädchen vom Land.
Petrus war impulsiv.
Paulus hat Christen verfolgt.
Viele andere hatten Angst, Zweifel oder Fehler.
Aber Gott schreibt Geschichten weiter. Und das gilt auch für uns.
Deshalb ein letzter Gedanke von mir:
Wenn wir heute anderen Menschen begegnen, dann sehen wir vielleicht nur:
- einen schwierigen Mitmenschen, der nervt
- einen stillen, zurückgezogen lebenden Nachbarn
- einen chaotischen Freund oder eine hochemotionale Freundin
Aber Gott sieht die ganze Geschichte eines Menschen.
Und vielleicht sind wir selbst gerade mitten in einer Geschichte, die Gott noch lange nicht zu Ende geschrieben hat.
Die spannende Frage ist nicht:
„Was bin ich denn für ein Typ?“, sondern:
„Was könnte Gott denn noch aus meiner Geschichte machen?“