Niemand ist endgültig verloren
Wo wir einander achten und aufeinander achten, da werden Menschen ermutigt, ihr Leben anzunehmen und in die Hand zu nehmen. Das gilt im Alltag und in Krisensituationen. Somit kann menschliche Zuwendung auch zur Suizidprävention beitragen. Für das Leben zu werben und einzutreten, gehört zum christlichen Selbstverständnis. Doch weil wir Christen eine größere Hoffnung haben, geben wir auch diejenigen nicht verloren, die ihrem Leben ein Ende setzen. Tragischerweise hat sich die Kirche selbst über Jahrhunderte nicht an diesen Grundsatz gehalten und viele Menschen nach einem Suizid nicht beerdigt. Im Mittelalter wurde die Selbsttötung zum Selbstmord und galt als Todsünde. Heute sind kirchliche Bestattungen nach einem Suizid selbstverständlich. Wir können ja nicht von einer freien Tat („Freitod“) ausgehen, wo kranke oder verzweifelte Menschen keinen anderen Ausweg mehr sehen. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“, sagt Jesus (Mt 7,1).
Leben als liebenswert erfahren
Tatsächlich ist für Christen nicht das Leben das höchste Gut, sondern die Liebe; ihre Größe kann sich sogar darin zeigen, das eigene Leben für andere hinzugeben (vgl. Joh 15,13). Wenn man jedoch keine Liebe spürt, wenn man sich selbst nicht liebt, dann kann es manchmal schon schwerfallen einfach so weiterzuleben. Je mehr Christinnen und Christen das Hauptgebot Jesu („Du sollst den Herrn deinen Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“) in ihrem Leben umsetzen, umso mehr können sie ihr eigenes Dasein und das anderer Menschen als lebenswert und liebenswert erfahren.
Gottes Liebe ist stärker
Letztlich glauben wir als Christinnen und Christen, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod; deswegen kann kein Tod das Leben endgültig vernichten – auch ein Suizid nicht.